habe ich wieder die Schulbank gedrückt, um das Wichtigste der bäuerlichen Theorie zu lernen. Mit der praktischen Erfahrung plage ich mich schon länger ab. Betriebswirtschaftlich gesehen ist ein solch kleiner Mischbetrieb nicht überlebensfähig und doch bewahrt er Kenntnisse, die überlebensnotwendig sind.
Daß ein solcher Hof, dessen Grundidee die Überlebenssicherung in Notzeiten ist, in jeder Hinsicht lebens- und ressourcenschonend sein muß, ist selbstverständlich.
Der Hof heißt "Sonnwendhof", weil er schon sehr von der Sonne geprägt ist, durch seine Lage und durch sein Solardach. Vor allem aber, weil mich der Sonnwendtag an den kommenden Winter erinnert. Ein Winter in einer Viehwirtschaft mit Handarbeit ist hart. Da gibt es keine automatische Wasserversorgung mehr, den Kühen, Schweinen und Schafen muß durch Tiefschnee das Wasser gebracht werden, Holz muß gesägt werden, der Ofen geschürt, Jungtiere vor der Kälte geschützt. Manchmal ist auch kein Fortkommen mehr mit dem Auto aufgrund der Schneelage. "Sonnwend" erinnert daran, daß das Leben hier nicht nur idyllisch ist, sondern existentiell, manchmal grausam, oft frustrierend, eben nicht nur sonnig.
Geschrieben von Lydia Riedel-Tramsek